Stellenbosch – ein spektakuläres Austauschsemester

Nicht nur atemberaubende Landschaften zeichnen Südafrika aus, sondern auch eine grosse Kulturvielfalt und Gastfreundschaft. Wie es Manuel Weber in seinem Austauschsemester an der Universität Stellenbosch erging und warum es ihn gerade nach Südafrika zog, erzählt er uns in einem Interview.

Text von Manuel Weber

Manuel bitte erzähle uns etwas über dich.
In Biel schloss ich die billingue Matura (Französisch/Deutsch) ab und machte bereits damals ein Austauschjahr in den USA. Diese Erfahrung war einmalig und das zusätzliche Jahr am Gymnasium, das ich dafür machen musste, war es absolut wert. Nach dem Militär reiste ich dann mit Freunden in über 100 Tagen einmal um die Welt und merkte, dass es noch so viel zu entdecken gibt, so viel Neues zu erfahren und so viele neue Kulturen und andere Perspektiven kennenzulernen. Während des Studiums in Bern arbeitete ich bei der Credit Suisse, um in den Semesterferien Reisen in verschiedenste Länder finanzieren zu können. Mein Praktikum absolvierte ich dann bei AmerisourceBergen, einem amerikanischen Grossverteiler in der Pharmaindustrie, welches eine tolle Erfahrung war, gerade auch wegen dem internationalen Team.

Bild: Manuel Weber
Manuel Weber

Welche Unis gehörten zu deinen Präferenzen für ein Austauschsemester?
Ich konzentrierte mich vor allem auf Unis ausserhalb von Europa und meine Top drei (wenn ich mich richtig erinnere) waren Stellenbosch University (Südafrika), University of Technology (Sidney, Australien) und Universidad de Guadalajara (Mexiko). Für mich war aber Südafrika mit Abstand meine erste Wahl und ich wollte unbedingt mein Austauschsemester in Stellenbosch verbringen.

Warum Südafrika?
Ich wollte an einer englischsprachigen Uni studieren, in einem exotischen Land, welches ich vorher noch nicht kannte. Da bot sich Südafrika für mich natürlich bestens an. Zudem hat Stellenbosch unglaublich viel zu bieten: Das Meer, in der Nachbarschaft eine Weltstadt (Kapstadt), viele wunderschöne Weingüter, Sportaktivitäten wie Wandern, Mountainbiking oder Surfen, verschiedene Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, warme Temperaturen und vieles mehr. Ich persönlich kenne niemanden, der Südafrika besucht hat und nicht von diesem Land schwärmt. Es hat alles zu bieten, auch eine sehr gute Infrastruktur. Einziges Manko ist und bleibt leider die Kriminalität in diesem Land, was man nie vergessen darf.

Bild: Manuel Weber
Bild: Manuel Weber

Erzähl uns ein bisschen über die ersten Eindrücke im Gastland/an der Gastuni. Was hat dich überrascht? Gab es positive oder negative Erfahrungen?
Vom Land an sich war ich von Anfang an hin und weg. Wie gesagt, Südafrika hat spektakuläre Landschaften, extrem weltoffene und nette Menschen, verschiedenste Kulturen und Sprachen, sehr gutes Essen und noch besseren Wein zu bieten. Was mich jedoch überraschte und auch enttäuschte, sind die nach wie vor spürbaren sozialen und gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Schwarz- und Weissafrikanern. Nichtsdestotrotz kommen grundsätzlich alle gut miteinander aus und man spürt, dass Südafrikaner, wenn auch mit einer schwierigen Vergangenheit vorbelastet, zusammen in die Zukunft blicken, sodass sich Gleichheit nicht nur rechtlich, sondern hoffentlich auch auf gesellschaftlicher Ebene durchsetzen kann. Positiv überrascht hat mich die atemberaubende Landschaft. Egal wo im Land, die Landschaft ist auf ihre eigene Art und Weise immer wieder spektakulär. Auch überrascht war ich von der Weltoffenheit und der guten Infrastruktur in Südafrika. Und das Essen war einfach absolut überragend.

Bild: Manuel Weber
Bild: Manuel Weber

Wie bist du mit der Sprache zurechtgekommen? Hast du die Sprache schon vor deinem Aufenthalt beherrscht?
Obwohl Südafrika elf Landesprachen hat, sprechen die meisten Leute sehr gut Englisch und auch an der Uni wurden die Fächer sowohl in Afrikaans wie auch in Englisch angeboten. Jedoch freuen sich die Menschen natürlich darüber, wenn man nur schon ein paar Worte in Afrikaans, Xhosa oder Zulu sagen kann.

Wenn du deine Gastuni mit der Uni Bern und dein Gastland mit der Schweiz vergleichst, welche Unterschiede gibt es?
An der Stellenbosch University hatte ich in den meisten Fächern Midterms und Projekte während des Semesters, was wir in Bern weniger haben. Dafür ist dann die Lernphase für die Semesterprüfungen bedeutend kürzer und weniger intensiv. Die Dozenten haben eine persönlichere Beziehung mit den Studierenden als an der Uni Bern. Zudem ist der Unterricht etwas praxisorientierter als in Bern, was ich sehr schätzte, denn dadurch konnte man sich auch besser vorstellen, worum es geht, statt Folien und Modelle auswendig zu lernen. Alles in allem schätze ich jedoch das Niveau des Unterrichts tiefer ein als dasjenige an der Uni Bern, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass in Stellenbosch prozentual viel mehr Leute studieren und sie keine so guten Alternativen, wie bei uns die Lehre oder Fachhochschulen, haben.

Was war das Highlight deines Aufenthaltes?
Highlight meines Aufenthalts war definitiv das Studienleben am Campus. Ich lebte in einem grossen Haus mit etwa zwanzig anderen Studierenden (Südafrikaner und wenige Internationals), welches direkt beim Campus war. Dadurch lernte man schnell Südafrikaner kennen und es wurde einem praktisch nie langweilig. Da Stellenbosch eine Studentenstadt ist, sind auf den Strassen lauter junge Menschen und es ist immer etwas los, wie z.B. Sportevents (meist Rugby), Festivals oder sonstige Parties, Weinmessen, „Braais“ (Südafrikanisches Grillen), Kulturfeste, Essensmessen und vieles mehr. Durch dieses Leben am Campus bekam man schnell einen guten Einblick in die Kultur und Lebensweise von Südafrikanern und konnte sich rasch und gut integrieren, um selbst Teil davon zu sein.

Was würdest du zukünftigen Austausch-Studierenden empfehlen?
Offenheit und den Schritt ins Ausland wagen. Mit der richtigen Einstellung kann es nur gut gehen und man wird mit vielen tollen Erinnerungen und reichen Erfahrungen nach Hause kommen.