10.11.2022 | Diverses | Alumni/PraktikerInnen

Ein Herz für die Finanzen – vom BWL-Studium zum Projektcontrolling bei der Pilatus Flugzeugwerke AG

Wenn Corina nicht fleissig am Budgetieren und Kalkulieren ist, dann kann sie einem schnell auch einmal erklären, wie ein Flugzeug grob aufgebaut ist und wie dessen Wartung sichergestellt werden kann. Die ehemalige BWL-Studentin erzählt uns, wie sie das Studium auf ihren jetzigen Job vorbereitet hat und was sie bei der Arbeit alles erlebt.

November, 2022

Text von Corina Stirnimann & Mara Baer

Corina, wer bist du, was hast du studiert und was für einen Beruf übst du nun aus?

Ich bin Corina, 23 Jahre alt, liebe die Musik und das Tanzen und komme aus dem Luzerner Hinterland. Seit Oktober 2021 arbeite ich als Junior Projektcontrollerin bei der Pilatus Flugzeugwerke AG in Stans. Im Bachelor habe ich im Major BWL und im Minor VWL studiert. Für mich gehört das zusammen, sodass ich nicht nur den betriebswirtschaftlichen Vorgang verstehe, sondern auch den volkswirtschaftlichen Zusammenhang begreife. Gleich anschliessend habe ich das Masterstudium in BWL an der Uni Bern angetreten und dazu einen extracurricularen Minor in VWL auf Masterstufe absolviert.

Portrait Corina Stirnimann
Corina Stirnimann

War es für dich immer klar, dass du einmal Richtung Controlling gehen würdest?

Ich wusste seit der dritten Klasse der Kantonsschule, dass ich einmal Wirtschaft studieren möchte. Als ich dann im BWL-Bachelor mein Praktikum bei der Schindler Aufzüge AG im Projektcontrolling antreten durfte, wusste ich, dass dies das Richtige für mich ist. Deshalb habe ich dann auch die frei wählbaren Vorlesungen meines Bachelorstudiums in diesem Bereich belegt und mich im Master für die Vertiefung Accounting, Control and Finance entschieden.

Wie sieht ein gewöhnlicher Tag bei deiner Arbeit als Projektcontrollerin aus?

Einen gewöhnlichen Tag mit regelmässigem Tagesablauf gibt es bei mir nicht. Ich bin grundsätzlich eine Frühaufsteherin, das heisst, dass mein Wecker so um die 5:30 Uhr klingelt. Um 06:30 Uhr bin im Büro und lese dann zuerst einmal meine Mails durch und schaue, was hiervon wichtig ist. Die Tage sind recht unterschiedlich. Momentan sind wir gerade in der Budgetphase. Wenn wir nicht gerade in dieser Phase sind, dann habe ich unterschiedliche Aufgaben, wie das Erstellen und Überprüfen von Rechnungen und Kalkulationen, das Durchführen von Kostenreviews oder meine monthly Closing Tasks. Nach dem Mittag führe ich dann aufwändigere Kalkulationen durch, bei welchen ich mit Projektleitern zusammensitze und schaue, dass die Inputs mit den internen Richtlinien zusammenpassen. Weiter braucht es für die Kalkulationen auch Abklärungen mit der Steuerabteilung, dem Legal Departement, dem Vertragsmanagement oder der Buchhaltung. Am Schluss mache ich ein Management Summary, wo ich alle diese Abklärungen zusammenfasse und welches ich zusammen mit dem Projektmanager dem Unit-Leiter präsentiere. Dann ist dann etwa Feierabend und ich gehe nach Hause.

Was gefällt dir am meisten bei deinem Job?

Es gibt kein typischer Tag in meinem Job und das ist das, was ich schätze. Da mein Job im Controlling angelegt und somit sehr nahe am Business ist, sehe ich in viele weitere Bereiche hinein, was mir sehr gefällt. Wenn ich eine Kalkulation mache, dann möchte ich verstehen, was wir dem Kunden verkaufen oder wie beispielsweise die Supply Chain und die Projektabwicklung funktionieren. Durch meine Position erhalte ich somit einen ganzheitlichen Blick auf das Produkt und den dazugehörigen Service – in unserem Fall also ein Flugzeug, den entsprechenden Simulator und dessen Maintenance. Ich könnte dir also jetzt gleich erklären, wann und warum wir ungefähr welches Teil warten müssen, weil ich das wissen muss, um meinen Job zu machen.

Corina Stirnimann an ihrem Arbeitsplatz
Corina Stirnimann an ihrem Arbeitsplatz

Findest du, dass dich dein BWL-Studium gut auf deinen jetzigen Beruf vorbereitet hat?

Ich finde das BWL-Studium ist wichtig, um das grosse Ganze zu verstehen. Es werden dir wichtige Denkweisen beigebracht, sodass man sich nicht nur auf Spezifisches fokussiert, sondern die Dinge im grossen Rahmen betrachten kann. Ausserdem lehrt es dich das Basiswissen in vielen wichtigen Bereichen. Für mich und meinen jetzigen Job ist beispielsweise wichtig, wie genau die Buchhaltung und die Lagerwirtschaft funktioniert, aber natürlich insbesondere die Prozesse im Controlling. Grundsätzlich ist das Fundament das allgemeine betriebswirtschaftliche Denken. Man kann im Studium nicht alles abdecken, aber ein gutes Fundament ist wichtig, um nachher im Job zu wissen, worum es geht und wo man im Notfall nachschauen kann. In der Praxis fühlt sich alles noch einmal anders an, da man das aufgebaute Wissen im echten Leben anwenden kann mit realen Auswirkungen und nicht nur auf Papier für eine Fiktive Unternehmung – man hat also grosse Verantwortung.

Hast du noch einen Tipp für die Studierenden der BWL?

Ich sage immer, dass ich nicht das studiert habe, was mir am leichtesten fiel. Ich hätte mich sonst mehr im Personalwesen, Marketing oder Management vertieft. Mein Herz schlägt schon seit ich jünger bin für die Finanzen. Auch wenn hier meine Noten im Studium etwas weniger gut waren als bspw. in den Marketingvorlesungen oder im Management, habe ich es trotzdem weiterverfolgt. Schlussendlich habe ich mich in dem vertieft, was ich am liebsten mache und nicht in dem, was ich von allen Bereichen entsprechend meinen Noten im Studium am besten kann – dank diesem Entscheid kann ich jeden Morgen voller Motivation durch das Drehkreuz ins Büro gehen. Diese Entscheidung bereue ich bis heute nicht. Zusammengefasst gebe ich euch folgenden Rat mit: Studiert das, was euch interessiert und nicht einfach nur das, was die wenigste Mühe macht oder die besten Noten verspricht.