Ein kleiner Kulturschock kam trotzdem schnell: Schweizerdeutsch. Obwohl ich etwas Deutsch spreche, war der Dialekt für mich wie eine ganz neue Sprache. Zum Glück sind die Berner:innen geduldig, und viele sprechen hervorragend Englisch, was den Einstieg deutlich erleichtert hat.
Im Studienalltag habe ich schnell gemerkt, dass die Universität Bern einiges anders macht als meine Heimatuniversität in Dänemark. Die Studierenden klopfen nach einer Vorlesung respektvoll auf den Tisch, um den Vortrag zu würdigen. Zunächst war das ungewohnt, inzwischen erscheint es mir aber sehr sympathisch. Auch die Beziehung zu den Professorinnen und Professoren ist formeller, und die Kommunikation wirkt insgesamt höflicher und strukturierter. Gruppenarbeit spielt hier eine grössere Rolle, was ich als sehr bereichernd empfinde.
Fachlich wurde es für mich besonders spannend, als ich meine Kurse zusammengestellt habe. In Bern belege ich die Module Being an Entrepreneur, Information Resource Management, das Seminar Communicating and Visualizing Data sowie Sustainability Strategies. Alle Kurse finde ich interessant, doch Sustainability Strategies hat mich besonders fasziniert. Ich habe zuvor bereits Strategie studiert, und es war spannend zu erleben, wie sich vertraute Konzepte verändern, sobald man sie aus einer Nachhaltigkeitsperspektive betrachtet. Dadurch habe ich einen erweiterten Blick auf Management gewonnen und denke heute viel stärker darüber nach, wie wirtschaftliche Entscheidungen in ökologische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen eingebettet sind.
Im gesamten Studium habe ich den Eindruck, dass die Universität Bern grossen Wert darauf legt, theoretische Inhalte mit realen Situationen zu verbinden. In vielen Lehrveranstaltungen arbeiten wir mit Fallstudien, analysieren konkrete Problemstellungen und entwickeln darauf basierende Lösungen. Dieser starke Praxisbezug verleiht dem Studium eine zusätzliche Tiefe und macht den Lernprozess lebendig.
Die Prüfungsformate unterschieden sich stärker, als ich erwartet hatte. Meine erste schriftliche Prüfung war eine echte Umstellung, denn wir mussten alle Antworten mit Kugelschreiber und Papier formulieren. In Dänemark laufen sämtliche Prüfungen digital, weshalb ich mich sowohl mit meiner Handschrift als auch mit ungewohnten Krämpfen in der Hand auseinandersetzen musste. Gleichzeitig fiel mir auf, wie flexibel man sich in Bern für Prüfungen an- und wieder abmelden kann. Das ist ein deutlicher Gegensatz zu meiner Heimatuniversität, an der eine Abmeldung kaum möglich ist.
Der Alltag an der Universität ist unkompliziert. Dank der Uni-Bern-App finde ich problemlos Räume, Kurspläne und Informationen zu Veranstaltungen. Besonders begeistert mich das Sportangebot des Unisport-Zentrums, das von Yoga über Klettern bis zu unterschiedlichsten Fitnesskursen reicht. Die modernen Einrichtungen machen es leicht, auch während des Semesters aktiv zu bleiben. Die Bibliothek nutze ich eher selten, da ich lieber zu Hause arbeite.
Ich wohne in einer Student Lodge, etwa 15 Minuten mit dem Fahrrad vom Campus entfernt. Die Wohnungssuche verlief erstaunlich unkompliziert, doch das Leben in der Schweiz ist deutlich teurer als in Dänemark. Mit der Zeit habe ich aber gelernt, wie man sinnvoll sparen kann, etwa durch günstige ÖV-Abonnemente oder bestimmte Supermärkte. Gleichzeitig bietet Bern viele Möglichkeiten, für die man keinen Franken ausgeben muss. Ich liebe Spaziergänge an der Aare, Picknicks im Rosengarten und spontane Ausflüge in die Berge. Oft packe ich mir einfach ein Lunchpaket ein und steige in den Zug, um neue Orte zu entdecken. Eine gute Art, Land und Leute kennenzulernen.