28.11.2025 | Studium | Studierende

Universität zwischen Alpenblick und Altstadtgassen: Mein Austauschsemester in Bern

Kamilla studiert im Master Business Administration an der University of Southern Denmark in Kolding. Für ein Semester tauschte sie ihr Studium an der dänischen Ostsee gegen das Leben in der Schweizer Hauptstadt. In ihrem Erfahrungsbericht erzählt sie von ersten Eindrücken.

Kamilla studiert im Master Business Administration an der University of Southern Denmark in Kolding. Für ein Semester tauschte sie ihr Studium an der dänischen Ostsee gegen das Leben in der Schweizer Hauptstadt. In ihrem Erfahrungsbericht erzählt sie von ersten Eindrücken, kulturellen Unterschieden und davon, warum Bern der perfekte Ort für ein ruhiges, aber inspirierendes Austauschsemester ist.

Text von Anika Gottier und Kamilla Rasmussen

Mein Name ist Kamilla und studiere im Masterstudiengang Betriebswirtschaftslehre an der University of Southern Denmark (SDU) am Campus Kolding. Dieses Semester verbringe ich an der Universität Bern und sammle dabei Erfahrungen, die mich fachlich und persönlich bereichern.

Schon bei meiner Ankunft war ich beeindruckt. Bern ist eine Stadt, die auf leise Weise begeistert. Die Altstadt mit ihren Sandsteinfassaden, der Blick auf die schneebedeckten Berge in der Ferne und das imposante Hauptgebäude der Universität, das über der Stadt thront, haben mich sofort fasziniert. Es dauert nicht lange, bis man die entspannte Atmosphäre spürt, die Bern so besonders macht.

 

Abbildung 1: Universität Bern Hauptgebäude
Abbildung 1: Universität Bern Hauptgebäude © Kamilla Rasmussen

Ein kleiner Kulturschock kam trotzdem schnell: Schweizerdeutsch. Obwohl ich etwas Deutsch spreche, war der Dialekt für mich wie eine ganz neue Sprache. Zum Glück sind die Berner:innen geduldig, und viele sprechen hervorragend Englisch, was den Einstieg deutlich erleichtert hat.

Im Studienalltag habe ich schnell gemerkt, dass die Universität Bern einiges anders macht als meine Heimatuniversität in Dänemark. Die Studierenden klopfen nach einer Vorlesung respektvoll auf den Tisch, um den Vortrag zu würdigen. Zunächst war das ungewohnt, inzwischen erscheint es mir aber sehr sympathisch. Auch die Beziehung zu den Professorinnen und Professoren ist formeller, und die Kommunikation wirkt insgesamt höflicher und strukturierter. Gruppenarbeit spielt hier eine grössere Rolle, was ich als sehr bereichernd empfinde.

Fachlich wurde es für mich besonders spannend, als ich meine Kurse zusammengestellt habe. In Bern belege ich die Module Being an Entrepreneur, Information Resource Management, das Seminar Communicating and Visualizing Data sowie Sustainability Strategies. Alle Kurse finde ich interessant, doch Sustainability Strategies hat mich besonders fasziniert. Ich habe zuvor bereits Strategie studiert, und es war spannend zu erleben, wie sich vertraute Konzepte verändern, sobald man sie aus einer Nachhaltigkeitsperspektive betrachtet. Dadurch habe ich einen erweiterten Blick auf Management gewonnen und denke heute viel stärker darüber nach, wie wirtschaftliche Entscheidungen in ökologische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen eingebettet sind.

Im gesamten Studium habe ich den Eindruck, dass die Universität Bern grossen Wert darauf legt, theoretische Inhalte mit realen Situationen zu verbinden. In vielen Lehrveranstaltungen arbeiten wir mit Fallstudien, analysieren konkrete Problemstellungen und entwickeln darauf basierende Lösungen. Dieser starke Praxisbezug verleiht dem Studium eine zusätzliche Tiefe und macht den Lernprozess lebendig.

Die Prüfungsformate unterschieden sich stärker, als ich erwartet hatte. Meine erste schriftliche Prüfung war eine echte Umstellung, denn wir mussten alle Antworten mit Kugelschreiber und Papier formulieren. In Dänemark laufen sämtliche Prüfungen digital, weshalb ich mich sowohl mit meiner Handschrift als auch mit ungewohnten Krämpfen in der Hand auseinandersetzen musste. Gleichzeitig fiel mir auf, wie flexibel man sich in Bern für Prüfungen an- und wieder abmelden kann. Das ist ein deutlicher Gegensatz zu meiner Heimatuniversität, an der eine Abmeldung kaum möglich ist.

Der Alltag an der Universität ist unkompliziert. Dank der Uni-Bern-App finde ich problemlos Räume, Kurspläne und Informationen zu Veranstaltungen. Besonders begeistert mich das Sportangebot des Unisport-Zentrums, das von Yoga über Klettern bis zu unterschiedlichsten Fitnesskursen reicht. Die modernen Einrichtungen machen es leicht, auch während des Semesters aktiv zu bleiben. Die Bibliothek nutze ich eher selten, da ich lieber zu Hause arbeite.

Ich wohne in einer Student Lodge, etwa 15 Minuten mit dem Fahrrad vom Campus entfernt. Die Wohnungssuche verlief erstaunlich unkompliziert, doch das Leben in der Schweiz ist deutlich teurer als in Dänemark. Mit der Zeit habe ich aber gelernt, wie man sinnvoll sparen kann, etwa durch günstige ÖV-Abonnemente oder bestimmte Supermärkte. Gleichzeitig bietet Bern viele Möglichkeiten, für die man keinen Franken ausgeben muss. Ich liebe Spaziergänge an der Aare, Picknicks im Rosengarten und spontane Ausflüge in die Berge. Oft packe ich mir einfach ein Lunchpaket ein und steige in den Zug, um neue Orte zu entdecken. Eine gute Art, Land und Leute kennenzulernen.

Abbildung 2: Schweizer Bergsee
Abbildung 2: Schweizer Bergsee © Kamilla Rasmussen

Auch das soziale Leben macht den Aufenthalt besonders. Die Universität organisiert zahlreiche Aktivitäten und Ausflüge für Austauschstudierende. So war es leicht, neue Freundschaften zu schliessen, sowohl mit anderen Incomings als auch mit Schweizer Studierenden. Die Orientierungswoche zum Start des Semesters war ein idealer Auftakt, informativ, gut organisiert und herzlich.

Abbildung 3: beim Wandern
Abbildung 3: beim Wandern © Kamilla Rasmussen

Fachlich nehme ich viel aus meinem Semester in Bern mit. Jeder Kurs hat meinen Blick auf Unternehmen und Management erweitert. Besonders wichtig erscheint mir der Gedanke, dass keine Lösung für alle passt. Jede Organisation befindet sich in einer eigenen Ausgangslage, weshalb Werkzeuge, Methoden und Strategien auf die konkrete Situation zugeschnitten sein müssen. Diese Einsicht werde ich definitiv in mein weiteres Studium und später in meine berufliche Laufbahn mitnehmen.

Nach einigen Monaten in Bern kann ich sagen, dass dieses Austauschsemester eine meiner besten Entscheidungen war. Die Stadt ist ruhig, charmant und offen, die Universität professionell und zugleich persönlich. Ich habe nicht nur fachlich viel gelernt, sondern auch erfahren, wie bereichernd es ist, in einem neuen Land zu leben, sich anzupassen und über sich selbst hinauszuwachsen.