Die Ergebnisse zeigen zunächst ein überraschend positives Bild: die Teilnehmenden sind durchaus in der Lage, Unterschiede zu erkennen. Unternehmen mit niedrigeren Emissionen werden im Durchschnitt als umweltfreundlicher bewertet als Unternehmen mit hohen Emissionen. Die Wahrnehmung ist also nicht zufällig. Allerdings zeigen sich gleichzeitig systematische Fehler in der Einordnung. Menschen neigen dazu, ihre Bewertungen in Richtung Mitte der Skala zu verschieben. Stark umweltschädliche Unternehmen werden also als weniger braun wahrgenommen, während besonders umweltfreundliche Unternehmen nicht so grün bewertet werden, wie es ihre tatsächlichen Emissionen rechtfertigen würden.
Dieser sogenannte Zentralitätseffekt kann Konsequenzen für Wirtschaft und Umwelt haben. Wenn sehr grüne Unternehmen nicht ausreichend als solche erkannt werden, sinkt der Anreiz für Unternehmen, die sich weiter vergrünen möchten, stärker in Emissionsreduktionen zu investieren. Gleichzeitig profitieren Unternehmen mit schlechter Umweltbilanz davon, dass ihre Nachhaltigkeitsperformance überschätzt wird. Sie tragen also einen schwächeren reputatorischen Schaden davon. Verstärkend kommt hinzu, dass der Zentralitätseffekt asymmetrisch ist und für grüne Unternehmen stärker ausfällt. Das heisst, dass grüne Unternehmen noch weniger Anerkennung für ihre Nachhaltigkeitsbemühungen erhalten. In Summe kann dies dazu führen, dass Nachhaltigkeitsinformationen weniger Wirkung für die nachhaltige Entwicklung der Wirtschaft entfalten als erwartet.
Ein weiterer wichtiger Befund betrifft die Art der Darstellung von Emissionsdaten. Die Fähigkeit der Teilnehmenden, Unterschiede zwischen Unternehmen zu erkennen, hängt stark davon ab, wie die Informationen präsentiert wurden. Wenn Emissionen nur als absolute Zahlen angegeben wurden, fällt die Einschätzung schwer. Werden die Daten dagegen relativ dargestellt – etwa im Vergleich zum Branchendurchschnitt oder pro Umsatz – konnten die Teilnehmenden deutlich besser zwischen grünen und braunen Unternehmen unterscheiden. Auch anschauliche Darstellungen, zum Beispiel in Form von Haushalts-Äquivalenten (Beispiel: „Das Unternehmen hat so viele Emissionen ausgestossen, wie 40.000 Schweizer Haushalte.“), verbesserten das Verständnis.
Überraschend war zudem, dass Fachwissen nur begrenzt hilft. FinanzexpertInnen sowie NachhaltigkeitsexpertInnen konnten die Nachhaltigkeitsperformance von Unternehmen nicht besser als andere Teilnehmende einschätzen. Das deutet darauf hin, dass das Problem weniger im fehlenden Wissen liegt als in der Komplexität der Informationen selbst.
Die Ergebnisse haben wichtige Implikationen für Politik und Regulierung. Viele aktuelle Initiativen setzen darauf, dass mehr Transparenz automatisch zu besseren Entscheidungen in der Nachhaltigkeitstransformation führt - in der Schweiz zum Beispiel durch die nichtfinanzielle Berichterstattung im Schweizerischen Obligationenrecht. Unsere Studie zeigt jedoch, dass zusätzliche Informationen allein nicht ausreichen. Entscheidend ist, wie diese Informationen aufbereitet werden. Klare Vergleichswerte, verständliche Einheiten und gut gestaltete Darstellung können dazu beitragen, dass Nachhaltigkeitsberichte tatsächlich verstanden und damit in Entscheidungsfindungen eingebunden werden.
Wenn Nachhaltigkeitsinformationen ihre Wirkung entfalten sollen, müssen sie nicht nur korrekt, sondern auch verständlich sein. Andernfalls besteht die Gefahr, dass selbst gut gemeinte Transparenz ihre Ziele verfehlt.